Kurzanleitung im Detail

Jede Position, Schritt für Schritt.

Auf einen Punkt klicken, um ihn aufzuklappen — mit Beispielbildern und Erklärungen.

01
Installieren & starten

Warum ein Windows-Warnfenster erscheinen kann: SextantFix ist kostenlose Software eines einzelnen Entwicklers, nicht mit einem teuren, kommerziellen Zertifikat signiert. Windows kennt den Herausgeber deshalb nicht und zeigt sicherheitshalber eine Warnung — das bedeutet nicht, dass etwas mit dem Programm nicht stimmt, nur dass es (noch) nicht weit genug verbreitet ist, um Windows bekannt zu sein. Ob die Warnung überhaupt erscheint, hängt von den Smart-App-Control-Einstellungen deines Systems ab.

Windows SmartScreen Warnfenster

Auf Weitere Informationen klicken, um die Details und einen zweiten Button einzublenden.

Windows SmartScreen Warnfenster mit Details und Trotzdem-ausführen-Button

Jetzt Trotzdem ausführen wählen, um mit der Installation fortzufahren.

Installationsassistent Willkommensbildschirm

Der Installationsassistent führt danach durch die eigentliche Installation.

Installationsassistent Zielverzeichnis auswählen

Das vorgeschlagene Zielverzeichnis passt für die meisten Nutzer — einfach auf Installieren klicken.

SextantFix-Verknüpfung auf dem Desktop

Fertig — auf dem Desktop liegt jetzt eine Verknüpfung, die SextantFix startet.

Kartendaten beim ersten Start: SextantFix lädt beim allerersten Start einmalig Küstenlinien-Daten im Hintergrund herunter, damit die Karte auch offline etwas anzuzeigen hat — ganz ohne Dialog oder Rückfrage, das läuft automatisch mit.

Hinweis: Kein Internet beim ersten Start? Kein Problem — SextantFix funktioniert trotzdem, die Küstenlinien-Karte wird automatisch nachgeladen, sobald wieder eine Verbindung besteht.
Die Programmoberfläche im Überblick

Bevor es losgeht: ein kurzer Rundgang, was wo liegt.

SextantFix Programmoberfläche mit fünf beschrifteten Bereichen
Links (rot)

Sextantenmessung eintragen, Sonnen-Setup (Hemisphäre), Standlinien-Legende, Koppelnavigation.

Oben (grün)

Schnellzugriff-Knöpfe: Windy, Google Earth, Stellarium, Leuchtfeuer, SAS.Planet, Meteorologie — übergeben deine aktuelle Position direkt.

Oben rechts (pink)

„Anzeige & Result"-Panel — Ergebnisse und weitere Zusatzinformationen (Fehlerbereich, Details, Kalibrierung).

Mitte unten (gelb)

Kartenstil wählen — Basiskarte und Overlays (Seezeichen, Route, Wassertiefen).

Unten links (gelb)

Strömung (Richtung / Stärke), Koordinaten an Mausposition, Missweisung an Bootsposition.

02
Position mit der Sonne bestimmen

Beim ersten Programmstart und ausgeschaltetem GPS kann es sein, dass kein Boot auf der Karte erscheint.

Rechtsklick-Kontextmenü mit Move boat here

Um alle Funktionen des Programmes zu nutzen, sollte das Boot manuell über Rechtsklick auf die Karte in eine Schätzposition gebracht werden (Move boat here).

Karte ohne Bootsposition bei ausgeschaltetem GPS
Hinweis: Für die eigentliche Positionsbestimmung per Tagbogenverfahren oder St.-Hilaire-Methode braucht SextantFix keine Bootsposition — beide kommen ohne angenommene Position (AP) aus. Eine gesetzte Bootsposition sorgt aber dafür, dass andere Programmteile (z. B. Meteorologie, externe Werkzeuge) korrekt funktionieren.

Ohne eigene Messungen anfangen: Über das ☁️-Symbol eine der 20 Beispiel-Messreihen laden (verschiedene Weltregionen) — praktisch zum Ausprobieren, ohne selbst zu peilen. Jede Reihe enthält 10 simulierte Sonnenmessungen über eine Stunde, mit einem Zufallsablesefehler von bis zu 2 Bogenminuten.

Auswahl der Beispiel-Messreihen über das Cloud-Symbol

Du musst dabei nicht alle 10 Messungen verwenden — einzelne Messungen lassen sich deaktivieren, um auszuprobieren, wie wenige tatsächlich für einen brauchbaren Fix reichen. Das folgende Beispiel nutzt nur 4 der 10 Messungen:

Berechneter Fix aus 4 von 10 Beispielmessungen, mit Detailaufschlüsselung

Standlinien und Tagbogenkurve erscheinen erst nach einem Klick auf „Berechnen" — nicht automatisch. Berechnen lässt sich schon ab einer einzigen Messung: SextantFix zeigt dann einen vollständigen Höhenkreis (Circle of Position) statt einer Standlinie — sinnvoll etwa in Kombination mit anderen Standlinien-Arten (Tiefenlinie, Peilung auf ein Objekt oder auch eine ältere Kurslinie).

Hinweis: Schneiden sich die Standlinien nicht überzeugend, prüfe die eingegebene Hemisphäre (N/S) und die Blickrichtung zur Sonne — der Sonnen-Bildpunkt auf dem Globus hilft bei der Orientierung.

Jetzt zur eigenen Messung: Beispielhaft wurden 3 Messungen mit einem Halbspiegelsextanten durchgeführt, der Unterrand der Sonne wurde auf den Horizont gesetzt. Die Bilder entstammen einem Simulationsprogramm (Sailaway III von Richard Knoll).

Sextantenmessung im Sailaway-Simulator, Sonnenhöhe 25°24.4'
25°24,4' · 18:33:37 UTC
Sextantenmessung im Sailaway-Simulator, Sonnenhöhe 40°57.3'
40°57,3' · 20:01:53 UTC
Sextantenmessung im Sailaway-Simulator, Sonnenhöhe 51°26.6'
51°26,6' · 22:03:20 UTC

Jede Messung wird über das Panel „Sextant reading“ erfasst: Uhrzeit in UTC, der gemessene Himmelskörper (Sonne, Mond, Planeten oder Sterne), der Messrand (LL = Unterrand, UL = Oberrand, Zentrum), Grad/Bogenminuten der Höhe, Indexfehler (IE) und Augenhöhe. Ein Klick auf „Add measurement“ übernimmt die Werte in die Liste — hier bereits für alle 3 Messungen geschehen.

Eingabepanel Sextant reading mit Messungsliste

Über die Symbolleiste unter der Messungsliste lassen sich einzelne Messungen bearbeiten (✏️) oder löschen (🗑️) — der grüne Kreis links neben jeder Messung schaltet sie einzeln ein oder aus. Ganze Messreihen lassen sich als Datensatz speichern (💾) und wieder laden (📁), zusätzlich zu den Beispiel-Messreihen aus der Cloud (☁️). Das Besen-Symbol (🧹) löscht dagegen alle Messungen auf einen Schlag — unwiderruflich, falls sie nicht vorher gespeichert wurden.

SextantFix erkennt auffällige Messungen automatisch und geht flexibel mit ihnen um:

Karte und Result-Panel mit Ausreißer-Markierung, Calculation mode und Huber-Auswertung
  • 🔴 Automatische Ausreißer-Erkennung: SextantFix markiert auffällige Messungen automatisch in zwei Stufen: „sus" (verdächtig) ab einer Abweichung von 2,5σ vom Median, „out" (deutlicher Ausreißer) ab 3,5σ — berechnet über eine robuste Streuung (mittlere Absolutabweichung vom Median), nicht über den RMS-Wert. Hier betrifft das Messung 2 (40°57,3'), markiert als „out".
  • 🟢 Umgang mit Ausreißern wählen: Unter „Calculation mode" legst du fest, ob der Fix im Standardverfahren berechnet wird oder Ausreißer berücksichtigt werden — entweder ganz ausgeschlossen oder mit „Robust (Huber)" nur schwächer gewichtet (Faktor k, hier 1,5).
  • 🟡 Ergebnisvergleich: Das Panel zeigt den Fix nach Tagbogenverfahren (blauer Punkt) neben der klassischen St.-Hilaire-Lösung aus erster und letzter Messung (oranger Punkt) — optional mit einem einblendbaren Fehlerbereich um die Position.
  • 🔵 Huber-Auswertung im Detail: Hier zeigt SextantFix die Auswirkung der Gewichtung — die Standardabweichung sinkt von 2,0' auf 1,3', Messung 2 wurde mit Faktor 0,28 heruntergewichtet statt verworfen.

Das Verfahren nach Ralf Lampalzer berechnet den Fix nicht wie klassische Methoden als Schnittpunkt von Standlinien, sondern als beste Näherung der ortsspezifischen „Sonnenspur" am Himmel — und umgeht damit das Problem schleifender Schnittwinkel. Dadurch ist eine zuverlässige Positionsbestimmung bereits innerhalb einer Stunde möglich, allerdings meist mit mehreren Messungen. Die Lage der Messpunkte zur Kurve macht grobe Ausreißer schon optisch erkennbar; eine genauere Qualitätsbeurteilung liefert der RMS-Wert.

Tagbogenkurve mit den drei Messpunkten
RMS: 1,3'
03
Terrestrische Peilungen

Rechtsklick auf die Karte öffnet das Kontextmenü — darüber lassen sich Peilungen zu Landmarken oder Leuchttürmen setzen. SextantFix bietet zwei Verfahren zur Standortbestimmung über terrestrische Peilungen sowie eine Seitenpeilung als taktisches Hilfsmittel:

Kreuzpeilung — Standort aus zwei Peillinien

Peilobjekt anklicken, dann Richtung und Länge der Peillinie festlegen — beides wird interaktiv auf der Karte angezeigt. Für die zweite Peillinie wiederholen. Der Schnittpunkt erscheint zunächst als temporäre grüne Vorschau-Marke mit Koordinaten; ein Klick darauf bestätigt sie als dauerhafte, beobachtete Ob-Marke.

Standort aus zwei Peillinien, Schnittpunkt als Ob-Position

Versegelung — Standort aus zeitversetzten Peilungen

Zwei Peilungen auf dasselbe Objekt setzen, mit ausreichendem Winkel dazwischen. Anschließend Kartenkurs (rechtweisend oder Kompass) und die zurückgelegte Strecke eingeben — die erste Peillinie wird entsprechend verschoben, der Standort automatisch berechnet.

Eingabedialog Versegelung: Kurs und Strecke
Ergebnis der Versegelung mit verschobener Peillinie und Standort

Seitenpeilung — relative Peilung zur Bugrichtung

Rechtsklick auf einen beliebigen Punkt setzt die Seitenpeilung: eine Linie vom Boot zum gewählten Ziel, mit dem Winkel zwischen Bugrichtung und Ziel (Steuerbord/Backbord) live nachgeführt. Nützlich z. B. zur Kollisionsvermeidung, zur Anlage-Peilung beim Kreuzen zu einer Tonne, oder zur Abdrift-Erkennung. Rechtsklick auf die Linie öffnet ein kleines Menü zum Löschen.

Seitenpeilung: relativer Winkel zwischen Bugrichtung und Zielpunkt
04
qtVlm & SextantFix

qtVlm spielt für SextantFix eine zentrale Rolle: Die App verzichtet bewusst auf ein eigenes, sehr aufwändiges Routen- und Wetterprogramm und verlässt sich stattdessen auf qtVlm — SextantFix übergibt dafür immer nur die aktuelle Position, den Rest erledigt qtVlm wie gewohnt.

Vorgeschlagener Workflow in der Zusammenarbeit mit qtVlm:

1. Bestimmen Sie Ihre Position in SextantFix (siehe Punkt 2 und 3).

2. Rechtsklick auf das Boot → Copy Position.

SextantFix: Rechtsklick-Kontextmenü am Boot mit Copy Position

3. Wechsel zu qtVlm → Rechtsklick → Paste a mark (Marke einfügen).

qtVlm: Rechtsklick-Kontextmenü mit Paste a mark

4. Erledigen Sie alle üblichen Aufgaben in qtVlm — Wettergribs laden, Route planen, wie gewohnt.

qtVlm: geplante Route mit Wetterdaten

5. Route in qtVlm kopieren (Rechtsklick-Menü). 6. Route in SextantFix einfügen — per Strg+V oder über das Rechtsklick-Menü.

SextantFix: eingefügte Route mit Zeitsteuerung und errechneter Bootsposition

7. Optional: Über den Schalter „GRIB" lassen sich Gribfiles direkt aus qtVlm importieren oder eigene NOAA-Daten laden. Die Zeitleistenfunktion zeigt dazu die errechnete Bootsposition entlang der Route.

SextantFix: GFS-Wind-Dialog mit GRIB-Import-Schalter
05
Andere Werkzeuge anbinden

Die Knöpfe oben links öffnen sechs externe Werkzeuge — jeweils mit der aktuellen Bootsposition, soweit möglich.

1. Windy

Überträgt automatisch die aktuelle Position. Eine aus qtVlm exportierte GPX-Route kann zusätzlich geladen werden.

Windy.com mit geladener Route

2. Google Earth

Position wird automatisch übergeben, mit direktem Zoom auf die Position. Eine Route kann per Copy & Paste übergeben werden.

Google Earth mit übergebener Route und Bootsposition

3. Stellarium

Beim ersten Aufruf ist einmalig der Pfad zur stellarium.exe einzugeben. Bei Nachtmessungen erleichtert Stellarium die Auswahl der Navigationssterne — die aktuelle Bootsposition wird übergeben, sodass der Nachthimmel den passenden Ausschnitt zeigt.

Dafür müssen in Stellarium einmalig zwei Erweiterungen aktiviert werden: Unter F2 (oder Seitenleiste) → Reiter „Erweiterungen" die Erweiterung „Fernbedienung" auswählen (nicht „Remote Sync") und „Beim Start laden" sowie den Server-Autostart aktivieren, danach Stellarium einmal neu starten. Für die Navigationssterne zusätzlich die Erweiterung „Navigationssterne" auswählen und ebenfalls „Beim Start laden" aktivieren.

Stellarium mit angezeigten Navigationssternen über der Bootsposition

4. Leuchtfeuer online

Ein wirklich nettes Gadget von Frank Schmirler: Ähnlich wie qtVlm zeigt es Blinkfrequenz, -dauer und -farbe der Leuchtfeuer — sehr hilfreich beim Einüben der Lichterdifferenzierung bei Nacht.

Leuchtfeuer-online mit simulierter Nachtansicht der Blinkfeuer

5. SAS.Planet

Pfadeingabe erforderlich, erlaubt diverse zusätzliche Karten und vieles mehr. Die Position wird in die Zwischenablage kopiert — in SAS.Planet über „Goto" → „Paste from clipboard" einfügen (ein einfaches Strg+V reicht in SAS.Planet nicht aus).

6. Meteorologie

Mehrere ständig aktualisierte Wetterkarten zeigen Hoch-/Tiefdruckgebiete und Frontenverläufe. Je nach Position des Bootes wird automatisch die passende Quelle gewählt.

NOAA Atlantic Analysis mit Bootsposition
Southern Hemisphere Analysis (NWS PYFE11) mit Bootsposition

Eine Ausnahme ist die Südatlantik-Karte (Quelle: Marinha do Brasil): Der automatische Download per Programm gelingt hier bislang nicht — stattdessen öffnet sich die Karte als einzelnes Bild direkt im Browser, ohne automatische Positionsübergabe.

Südatlantik-Bodendruckkarte der Marinha do Brasil

Je nach Karte lässt sich zusätzlich die Windstärke durch Messung des Isobarenabstands abschätzen (nach Burch).